Die Magie des ersten Mals

Die Wege der Musik sind unergründlich. Manche Songs schreiben sich in wenigen Minuten, andere brauchen Jahre. Manche sind einfach da, wenn man mitten in der Nacht aufwacht. Und manche finden ihre Vollendung erst durch Liebe und Magie.

Musik ist die intimste Sprache der Welt. Wer mit einem anderen Menschen einen Song schreibt, öffnet ihm die Tür zu seiner Seele, zu Erinnerungen, Sehnsüchten und Ängsten, die noch nie ein anderer gehört hat. Nichts verbindet so sehr wie der Moment, in dem aus zwei Gedanken ein einziger Klang wird. Es entsteht ein Kunstwerk, das es ohne diese exakte Chemie zwischen genau diesen Menschen niemals geben würde: eine Momentaufnahme für die Ewigkeit.

Unseren ersten gemeinsamen Song schrieben wir im Jänner 2025, an einem einzigen Wochenende. Wir hatten es uns ganz bewusst freigehalten, nur für uns und für die Musik. Kein Termin, kein Alltag. Draußen stürmte ein Schneeregen und prasselte gegen die Fenster, drinnen war es kuschelig warm. Mehr brauchten wir nicht: einen klassisch-analogen Notizblock, Gitarre, Klavier, Zitronenwasser, Earl Grey mit Milch und das beste Sa-Tsa-Hühnerfleisch weit und breit.

Am ersten Morgen saßen wir mit einer frischen Kanne Tee vor dem leeren Blatt Papier, und zwischen uns lag diese Mischung aus Vorfreude und Lampenfieber. Was, wenn das, was wir einander zeigen, dem anderen nicht gefällt? Was, wenn unsere Welten nicht zusammenpassen? Doch je länger wir redeten, desto leiser wurden die Zweifel. Irgendwann griff Alex zur Gitarre, Elke setzte sich ans Klavier, und aus dem Gespräch wurde Musik. Die Zeit verlor ihre Bedeutung. Die Welt draußen schrumpfte auf diesen einen Raum zusammen, auf zwei Stimmen und einen Song, der noch keinen Namen hatte.

Die Ballade erzählt von der großen Liebe, von verpassten Momenten und einem Wiedersehen nach vielen Jahren, und zwar aus männlicher und weiblicher Perspektive. Während Alex die Akkorde des Refrains zupfte, suchte Elke nach den Zeilen für ihre Stimme. Jede Idee von Alex brachte Elke auf eine neue, und vice versa. Elke legte ihren Part als Antwort auf Alex’ Einstieg an. Den Pre-Chorus mit fis-Moll und E-Dur stimmte sie auf seine Idee eines kraftvollen Refrains in A-Dur, E-Dur und G-Dur ab. Wort für Wort und Akkord für Akkord trieben wir uns gegenseitig zu neuen Höhen an. Dieser produktive und zugleich leidenschaftliche Tanz der Töne zog sich über Stunden.

Magie ist nicht immer harmonisch, sie kann auch emotional, intensiv und zu viel sein. Ein Song, der aus zwei Herzen entsteht, geht unter die Haut, auch schon beim Schreiben. Wurde es zu hitzig, streiften wir die wärmsten Mäntel über, griffen zum Regenschirm und drehten eine Runde im eisigen Sturm. Danach ging es mit klarem Kopf weiter. Erst als das Bauchgrummeln störend laut wurde, fiel uns auf, dass wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten. Alex holte sofort zwei Portionen Sa-Tsa-Hühnerfleisch, liebevoll zubereitet von Li aus unserem Lieblings-Chinarestaurant. Gestärkt arbeiteten wir bis spät in die Nacht. Mit jedem Durchlauf fanden unsere Stimmen besser zueinander, bis jede Zeile und jeder Akkord saß. Und dann war er da, der finale Moment, in dem der Song tatsächlich als vollendet galt, und wir spürten beide zugleich, wie er heißen sollte: »You And Me«. Erschöpft, aber glücklich, sahen wir uns in die Augen und küssten uns, lang und zärtlich, denn nun wussten wir: Wir können nicht nur zusammen wundervolle Musik machen, sondern auch miteinander wunderschöne Songs schreiben.

Magie kennt viele Wege. Nicht jeder unserer Songs entsteht im Duett. Viele schreiben wir allein, jeder für sich. Wir sind zwei Menschen mit eigenen Geschichten, Klangvorlieben und Handschriften. Diese Identität des Einzelnen prägt unsere Musik und macht sie zu dem, wie sie klingt. So bleibt hörbar, wer hinter einem Lied steht. Der andere kommt dazu, wenn es um die zweite Stimme, das Arrangement oder ein kniffliges Problem geht. Oft bringt er oder sie dann genau den Funken, der noch gefehlt hat. Wir verlieren uns nicht ineinander, wir ergänzen uns. Elke hat ständig Melodien im Kopf, zu denen sie Texte schreibt, sobald Zeit und Muße es erlauben. Manchmal lassen sie Themen oder ganze Strophen nicht los, bis sie plötzlich zu singen beginnt. Bei Alex kommt die Magie gern über Nacht. Er ist schon mit einem fertigen Song im Kopf aufgewacht. Dann springt er aus dem Bett, eilt in den Proberaum und spielt ihn, bevor der Zauber bis zum Morgen verfliegt.

Und dann gibt es Wochenenden, an denen Alex an seinem Gitarrenspiel feilt und seine Stimme trainiert. Elke lässt in dieser Zeit die Musik ruhen und widmet sich ihrer zweiten großen Leidenschaft, dem Schreiben. Sie ist nicht nur eine hervorragende Musikerin, sondern auch eine dramaturgisch und rhetorisch begnadete Autorin. Derzeit arbeitet sie an den letzten Kapiteln ihres ersten Buchs mit dem Arbeitstitel »Harmony Inn«. Es soll schon bald erscheinen. Mehr dazu verraten wir in Kürze.

Zur Song- und Setlist-Verwaltung verwenden wir SongSheet Pro, eine innovative und ADHS-freundliche App, speziell für strukturierungsscheue Musiker. Ihr Entwickler steht in aktivem Austausch mit Galvin & Hölzl und baut vorgeschlagene Features und Verbesserungen in die Updates ein. Für Melodie-Tests und Akkord-Experimente nutzt Alex außerdem Tonaly Pro. Von dieser App ist er restlos begeistert.